Augen auf beim Saatgutkauf!

Sicherlich suchen Sie Sortenvielfalt auf Saatgutfestivals, Tauschbörsen oder Internetseiten, weil Sie an lebendiger, ökologischer und unabhängiger Vielfaltserhaltung interessiert sind und auch deren Vorteile für Garten, Gesundheit und Genuss schätzen.

Über die Qualität des Saatguts und der Sorten erfährt man einiges auf der Saatguttüte, und mehr noch auf den Webseiten der Anbietenden oder im Gespräch mit ihnen. Und natürlich von andren, die diese Saatgutquelle weiterempfehlen.

  • Vielfaltssorten sind samenfest, kein Hybridsaatgut. Hybridsorten kann man nicht sortenrein weitervermehren. Hybride müssen auf der Samentüte als „F1-Saatgut“ oder „Hybrid“ gekennzeichnet sein. Im Gartenfachhandel werden fast nur Hybride angeboten, selbst wenn -zu Werbezwecken- „Vielfalt“ auf der Tüte steht.
 
  • Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ist derzeit in den meisten, inklusive der deutschsprachigen, EU-Ländern nicht erlaubt und in Saatguttüten ist daher Gentechnik nicht zu erwarten. Aber wir müssen vorbeugen: 2021 will die EU-Kommission das Gentechnikrecht lockern. Dann würde Kontaminierung unserer samenfesten Sorten drohen. Mehr dazu:  www.ig-saatgut.de.  2021 ist Bundestagswahl, und manche Parteien lehnen die Zulassung von Gentechnik für den Anbau ab.
 
  • Auf der Samentüte sollte die Kulturart (zB Tomate) und der Sortenname (z.B. Gelbes Birnchen) stehen. Bei einigen Kulturen erwartet man nähere Angaben, zB ob die Möhre früh oder spät reift. Mehr dazu (Übersicht)
 
  • In der Tüte sollten nur Samen enthalten sein, frei von Pflanzenresten, Stängelteilen, Spelzen. Das Reinigen der Samen soll so gut wie möglich erfolgen. Bei sehr feinem Saatgut ist es manchmal schwierig. Die Samen sollten keinesfalls feucht oder gar schimmlig, beschädigt oder von Insekten befallen sein.
 

Wer mehr wissen möchte, kann die Anbietenden fragen:

  • Anbietende von Vielfaltssaatgut informieren idealerweise über die Haltbarkeit: In welchem Jahr sind die Samen geerntet worden?
Die Dauer der Keimfähigkeit von Samen verschiedener Arten ist unterschiedlich. Mehr dazu (Übersicht) 
Wenn sie kühl, trocken und dunkel gelagert werden, bleibt Ihre Keimfähigkeit besser bestehen. 
  • Wer Samen erntet, sollte sie nicht nur von einer, sondern von einer Mindestanzahl geeigneter Pflanzen nehmen. So bleibt die Sorte beständig. Die empfohlene Mindestanzahl Pflanzen, die so genannten Samenträger, ist bei jeder Art anders.

Damit man eine Auswahl hat, braucht man für eine gute Vermehrung mehr als die Mindestanzahl Samenträger. Mehr dazu (Übersicht) .

Merke: Die Anzahl Samenträger-Pflanzen pro Sorte, von denen Saatgut gewonnen wird, ist für die Vielfaltserhaltung wichtiger als die Anzahl Sorten, die man anbietet!

  • Als Samenträger werden nur gesunde und sortentypische Pflanzen und Früchte ausgewählt. Anbietende von Vielfaltssorten können Auskunft geben, welches die sortentypischen Eigenschaften sind, nach denen die Samenträger-Pflanzen für ihre Sorten ausgewählt wurden.
 
  • Nur wenige Arten sind selbstbefruchtend und verkreuzen sich nicht (darunter Salate, Erbsen, Bohnen – mit Ausnahme der Feuerbohnen - und die meisten Tomaten). Die meisten Arten sind fremdbefruchtend: Die Sorten können sich verkreuzen und dann ist die nächste Ernte nicht sortenrein. Fragen Sie die Anbietenden, wie sie die Verkreuzung der Sorten verhindern. Dazu gibt es viele interessante Techniken. Von guten Anbietenden lernt man was dazu.
 
  • Zur Sortenvielfalt, die unsere Vorfahren weitergegeben haben, gehören auch Wissen und Erfahrung. Laden Sie die Anbietenden von Saatgut aus Ihrer Region oder auch Online zu einem Vortrag zur Vielfaltserhaltung in Ihrem Bekanntenkreis ein! Ein Entgelt sollte eigentlich genauso selbstverständlich sein wie die Bezahlung des Saatguts.
 
Für einen leichten und guten Einstieg ins Thema eignet sich die Ringbroschüre „Vielfalt bewahren – Wie geht das?“ vom Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt e.V., für 1,50 € zu bestellen hier .