Kopfkohl

Kopfkohl Foto: Susanne Goroll
Botanischer Name: 
Brassica oleracea convar. capitata

Auszüge aus: Kopfkohl Gemüse des Jahres 2006 von Ursula Reinhard

Gemüse- oder Gartenkohle aus der Art Brassica oleracea wurden schon von den Griechen und Römern genutzt. Bei der Entstehung der europäischen Gartenkohle waren sicher mehrere nahe verwandte Arten beteiligt, die an den Küsten des Mittelmeeres und des Atlantiks wachsen. Wahrscheinlich haben sich im Mittelmeerraum zu Zeiten des Hochmittelalters die ersten Kopfkohle herausgebildet. Der feldmäßige Anbau in Europa begann in Holland bereits im 14. Jdt.. Wir unterscheiden zwischen:

Weißkohl  wird heute weltweit angebaut und hat im Laufe der langen Züchtungsgeschichte verschiedenste Kopfformen hervorgebracht. Wir kennen heute bei Weißkohl Sorten mit runden, plattrunden, hochrunden und spitzen Köpfen verschiedenster Größe und Festigkeit.

Rotkohlanbau ist im wesentlichen auf Mitteleuropa und Holland beschränkt. Der in der Epidermis eingelagerte Farbstoff Anthocyan verleiht dem Rotkohl die mehr oder weniger violette Färbung der verschiedenen Sorten.

Wirsing ist ein Kreuzungsprodukt von Weiß- und Palmkohl. Färbung des Kopfes und Blasigkeit des Umblattes sind wesentliche Sortenmerkmale.

Anbau: 

Kopfkohle gedeihen wie ihre atlantischen Vorfahren prächtig, wenn hohe Luftfeuchtigkeit vorherrscht und der Boden gleichmäßig und gut mit Wasser versorgt ist. Kohl ist nährstoff- und lichthungrig und benötigt daher einen sonnigen Standort und humosen, lehmigen Boden. Seine Temperaturansprüche sind sehr gering.

Frühsorten benötigen Standorte, die zeitig abtrocknen und sich schnell erwärmen, sind deshalb auch für leichtere Böden geeignet. Für eine gleichmäßige Nährstoffaufnahme -Garant für zügiges Heranwachsen- ist ein pH von 6,5-7,5 erforderlich. Frühkohlsorten sind im Jungpflanzenstadium recht kälteresistent und vertragen Fröste bis -5°C. Sie werden bereits ab Februar im Warmen vorgezogen und im März gepflanzt. Ist der Frühling besonders kalt, benötigen sie Schutz durch Folien oder müssen im Frühbeet oder Gewächshaus heranwachsen.

Mittelfrühe und späte Sorten sät man im April oder Mai und pflanzt ab Juni. Die Dauersorten benötigen dann eine längere Zeit bis zur Ernte. Dies sind grobe Richtwerte, jede Sorte hat ihre eigenen Zeiten für Aussaat und Ernte.

Kohl als sog. Starkzehrer verlangt einen Fruchtwechsel auf den Flächen um einer Bodenmüdigkeit (einseitiger Nährstoffentzug) entgegenzuwirken, die dann schnell auch eine Anfälligkeit gegenüber Schädlingen und Krankheiten nach sich zieht. Es wird eine Anbaupause für alle Kohlgewächse auf der gleichen Fläche von 3-4 Jahren empfohlen.

Gute Mischkulturpartner für Kohl sind Tomaten, Sellerie oder Bohnen, eine Randbepflanzung eines mit Kohl bestandenen Beetes mit Eberraute kann den Kohlweißling abhalten.

Krankheiten und Schädlingen

Die Liste von Schädlingen, die sich von den verschiedenen Pflanzenteilen des Kohls ernähren, ist lang. Wohl kaum eine andere Gemüseart kann da konkurrieren, eine lange Coevolution hat stattgefunden. Spezialisten vieler Insektengruppen haben sich den Kohl als Wirts- und Nährpflanze ‚ausgesucht’. Thripse, Blattläuse, Mottenschildläuse, Käfer, Schmetterlinge, Fliegen und Hautflügler verschiedenster arten nutzen die Blätter oder Stiele, die Blüten oder Wurzeln zur Eiablage und Nahrungsquelle für sich und ihre Nachkommen. Die geruchsintensiven Senfölglykoside –einst der Fraßschutz- dienen heute als Stimulans.

Mischkulturen, striktes Einhalten der Fruchtfolge und der Einsatz von biologischen Stärkungsmitteln beugen einem Befall vor. Das Entfernen der Eigelege, das Absammeln von Raupen sowie der Einsatz von Nützlingen und biologischen Spritzmitteln sind hilfreich, um Fraßschäden einzudämmen. Zur näheren Bestimmung der einzelnen  Schädlinge und ihrer schonenden Regulierung sind einschlägige Bücher zu verwenden.

Ernte: 

Weißkohl wird nach seinen unterschiedlichen Entwicklungszeiten in frühe, mittelfrühe, sowie in Herbst- und Spätsorten eingeteilt. Die späten Sorten werden auch als Dauer- oder Lagersorten bezeichnet und lassen sich bis zum Heranreifen der ersten Ernte im Frühsommer lagern.

Rotkohlsorten werden wie beim Weißkohl in 4 Reifegruppen aufgeteilt. Rotkohl reift jedoch langsamer, seine frühen und mittelfrühen Sorten sind besser haltbar.

Eine Besonderheit beim Wirsing ist die gute Frosthärte der Winter- und Feldsorten, insbesondere der ‚Adventwirsingsorten’. Dauersorten, die im Lager überwintern müssen, sind selten. Alle Überwinterungsformen benötigen Herbstaussaaten. Die Pflanzen bleiben im Garten oder auf dem Felde stehen und können im Winter fortlaufend bis in den Mai direkt für den Verbrauch geschnitten werden. 

Vermehrung: 

Für die Saatgutgewinnung ist Kopfkohl eine zweijährige Pflanze. Drei Wege können beschritten werden: die gesamte erntereife Pflanze, der Strunk oder Jungpflanzen werden überwintert und wachsen nach erneutem Auspflanzen im 2. Jahr zu blühenden und fruchtenden Pflanzen (Samenträgern) heran. Da Kopfkohle zu den Fremdbefruchtern gehören, benötigt man eine genügend große Zahl an Samenträgern, um eine Degeneration der Sorten zu vermeiden. Es bietet sich bei der Vermehrung im Hausgarten (wenig Platz) und der heutigen Ausstattung der Haushalte mit meist warmen Kellern an, bei der Vermehrung von Kopfkohlsorten mehrgleisig zu verfahren. Nur bei der Kultivierung bis zur Erntereife können die Sortenmerkmale beobachtet und die Pflanzen nach Wunsch selektiert werden. Die Vermehrung erntereifer Pflanzen verlangt eine Überwinterung in frostfreien, kühlen, trockenen Kellern, Kalthäuser oder Erdmieten, viel Aufwand bei der Kontrolle, man muß von mindestens 20 Pflanzen ausgehen.

Sowohl bei der Überwinterung wie auch in der Phase des erneuten Auspflanzens muß mit Ausfällen gerechnet werden, 5 Pflanzen sind dann das absolute Minimum für die Anzahl abreifender Samenträger. Züchterisch wird mit einer Anzahl von 100 Pflanzen gearbeitet, deshalb muss unter Hausgartenbedingungen im Wechsel mit einer Vermehrung aus Jungpflanzen gearbeitet werden, sie benötigen weniger Platz als Samenträger und sind leichter zu überwintern. Ideal wären 50 Jungpflanzen, aber auch 20 sind schon ausreichend, besonders, wenn mehrere Erhalter an der Vermehrung einer Sorte beteiligt sind.

Nutzung: 

Eine sehr alte Nutzungsform von Kohl, vor allem des Weißkohls, ist das Sauerkraut. Die Milchsäuregärung, die das Kraut lange lagerfähig macht und die Vitamine ideal konserviert, war den Chinesen schon sehr früh bekannt. Seit dem ausgehenden Mittelalter wurde auch in Europa Sauerkraut verzehrt.

Tipps: 

Gesundheitlich bewirkt Kohl wahre Wunder. Der Kohlwickel entzieht dem Körper Gifte, hilft damit bei Entzündungen, Erkältungen, Rheuma und Gicht. Auch der Presssaft des Kohls wird gepriesen als Mittel bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren.

Nach  heutigem Wissensstand enthalten alle genannten Kopfkohle Ascorbigen, eine Vorstufe des Vitamin C, das erst durch Kochen aus dem Ascorbigen entsteht. Bei allen anderen Gemüsearten geht durch das Garen Vitamin C verloren. Kopfkohl enthält außerdem Vitamine aus der B-Gruppe  sowie zahlreiche Mineralstoffe. Besonders Weißkohl ist reich an Ballaststoffen und arm an Kalorien. Ihm werden –besonders als Rohkost- viele gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Bei der Bekämpfung von Bakterien und Tumoren können sekundäre Pflanzenstoffe, wie die im Kohl enthaltenen Glucosinolate hilfreich sein. Die Anthocyane im Rotkohl wirken vorbeugend gegen Krebs. Dem Wirsing werden nierenstärkende Eigenschaften nachgesagt und 100g Wirsing decken fast ein Viertel des täglichen Folsäurebedarfs. Der typische Kohlgeschmack und –geruch wird durch Senfölglykoside hervorgerufen, die allen Kreuzblütlern innewohnen. Sie schützen vor Erkältungen und gelten ebenfalls als krebsvorbeugend.