Gemüseschätze - selbst anbauen und geniessen

Gemüseschätze  - Selbst anbauen und geniessen

Ursula Reinhard, Ute Klapphake

Franck-Kosmos-Verlag
Stuttgart 2015

Gemüseanbau ist wieder im Trend. Alte Gemüse anzubauen und zu erhalten, sich damit zu beschäftigen, spricht viele junge Leute an.
Der Verlust der Artenvielfalt ist weithin Thema. Im Gemüsebereich ist es immer auch ein Verlust der Sorten, der uns beschäftigen sollte.
Der Schlüssel zum Erhalt ist das Saatgut. Wer das Saatgut hat, hat das Sagen. Darum muss ein Buch über Gemüseschätze sich auch mit dem Thema Saatgut beschäftigen.
Der ängstliche Blick des „Kaninchens“, auf die „Schlange“ der Saatgutkonzerne, die sich eine immer größere Monopolmacht erarbeiten, lähmt und hilft nicht weiter.
Was ist wichtig zu erhalten? Auf welche Kulturen und Sorten kommt es besonders an? Auf alle und besonders auf die, die uns persönlich gefallen, die gut bei uns wachsen können und die wir auch gerne essen. Es hilft nicht, Dicke Bohnen anzubauen, wenn man sie seit Kindertagen nicht mag. Es hilft, sich auf das zu konzentrieren, was einem als Gartenpflanze gut gefällt und gelingt. Ziele werden erfolgreich erreicht, wenn auch der Weg attraktiv ist.

Das Buch “Gartenschätze“ tritt mit hohen Zielen an:
Lust auf Gemüse machen, Vielfalt erhalten, Gemüse erfolgreich anbauen und mit leckeren Gerichten auf den Teller bringen. Wer ein so umfangreiches Thema in einem relativ kleinen Buch bearbeiten will, braucht eine gute Struktur.
Im Rhythmus der Jahreszeiten werden die verschiedenen Gemüse portraitiert. Das entspricht dem Ablauf im Garten und gibt  klare Strukturen.
Zu den jeweiligen Jahreszeiten wird jede Kultur kurz beschrieben, die Erscheinung, was ist das Besondere?
Unter der Überschrift „In der Welt“ erfährt die Leserin, wo die Kultur seit wann angebaut und genutzt wird, was braucht die Pflanze, welche Entwicklungen gab und gibt es? Was ist Schwerpunkt bei der Selektion, wie sieht die Sortenentwicklung aus?
So es denn Sorten gibt, werden hier alte Sorten vorgestellt und beschrieben, Fotos zeigen die Besonderheit der Sorte und verdeutlichen auch immer die besondere Schönheit eindrucksvoll.
Im Reigen der Jahreszeiten gibt es eine Überraschung nach der Nächsten: Kannten Sie Meerkohl, Winterheckenzwiebeln, Süßdolde oder Topinambur?  Bei jeder Vorstellung machen die Texte und Fotos Lust darauf, dieses Gemüse in den eigenen Garten zu holen.
Bei jedem Gemüse wird beschrieben, wie es erfolgreich angebaut werden kann. Die Leserin erfährt, welcher Boden, welche Temperaturen bei Aussaat und Kultur, welche Pflegemaßnahmen sinnvoll sind. Um auch die Vermehrung in den Blick zu nehmen, erfährt die Leserin, ob die Kultur ein- oder zweijährig ist, zu welcher Pflanzenfamilie sie gehört und wie sie erfolgreich vermehrt werden kann.
Zu jeder Gemüsevorstellung gehört auch die Information, was in der Küche daraus werden kann: Was kann roh verzehrt werden, was muss gekocht werden.  Gibt es Besonderheiten bei der Zubereitung, die beachtet werden sollten.

Nach der Vorstellung der einzelnen Gemüse beschäftigt sich das Buch damit, wie der Anbau gelingen kann, werden die verschiedenen Bodenarten vorgestellt und beschrieben, wie sie zu einem fruchtbaren Gartenboden werden können.
Bodenvorbereitung und Kompostwirtschaft sind weitere Themen, die kurz und prägnant angesprochen werden, bevor Gemüse aussäen zum Thema wird. Hier gibt es eine kurze, aber ausführliche Beschreibung von Vorkultur und Direktsaat, jeweils mit Erklärungen, wie vorzugehen ist, was Vorteile sind.
Fruchtfolge und Mischkultur, Pflege mit dem Ziel gesunde Pflanzen zu erhalten sind weitere Themen.
Damit die Mühe belohnt werden kann, beschäftigt sich das Kapitel „Ernte – der Lohn für die Arbeit“ mit hierfür wichtigen Fragen, was kann wann, wie geerntet werden? Wer selbst Gemüse anbaut, kann ernten, wenn die Früchte wirklich reif sind, kann immer wieder von Salaten und Blattpflanzen ernten und so länger etwas von der Ernte haben. Auch wichtige Hinweise fehlen nicht. So können z.B. Markerbsen nur frisch genutzt werden und die getrockneten Kerne lassen sich nicht weich kochen. Wer sich die Mühe macht Gemüse selbst anzubauen, für den sind Lagerung und Vorrat für den Winter ein weiteres Thema.

Über Vermehrung muss es dicke Bücher geben, in denen alle Besonderheiten genau dargestellt werden. Um Menschen zu motivieren, sich mit dem Thema zu beschäftigen, können auch erst einmal zwei Seiten ausreichen, in der die Leserin erfährt, wovon einfach Saatgut zu gewinnen ist, wie Saatgut aufbereitet und gelagert werden kann.

Und wenn die Gemüseschätze dann im Korb sind, geht es ab in die Küche. Nach einer kurzen Einführung, was bei der Zubereitung von Blatt-, Frucht- und Wurzelgemüse sowie Hülsenfrüchten zu beachten ist, gibt es einige Rezepte, die einfach, aber auch raffiniert sich und zu jedem Rezept gibt es Hinweise, mit welchem Gemüse es auch zubereitet werden kann. Das finde ich überzeugend.

Gemüseanbau ist wieder im Trend. Alte Gemüse anzubauen und zu erhalten, sich damit zu beschäftigen, spricht viele junge Leute an. Nachdem es zwischenzeitlich viele neuere Bücher aus dem österreichisch und englischen Raum zum Thema „Gemüseanbau, Sortenerhalt“ gibt, kommt nun mit dem Buch von Ursula Reinhard eines auf den Markt, in dem die führende Erhalterin der Nutzpflanzenvielfalt in Deutschland das große Thema in einem relativ kleinem Buch bearbeitet.
Das Buch überzeugt über eine kurze, aber umfassende Bearbeitung des Themas, Anbau von vielfach unbekannten Gemüsen, Erhalt alter Sorten, Nutzung in der Küche.
Wer weiß, dass immer mehr junge Menschen wenig darüber wissen, wie gegärtnert wird, weiß wie wichtig hier konkrete Hilfestellungen sind. Diese werden gegeben.
Während in einigen neueren Werken zum Thema, zumeist englische Sorten vorgestellt werden und oft die Frage bleibt, woher bekomme ich das Saatgut, sind hier nur solche Sorten vorgestellt, die bei den im Verzeichnis aufgeführten Vereinen, Organisationen oder Gärtnereien zu bekommen sind. Natürlich muss man sich umsehen und nachfragen, schließlich sind die Sorten, Kulturen nicht mehr im Handel zu bekommen. Gärtnern bedeutet auch geduldig und auf der Suche nach dem sein, von dem man gelesen hat und was man gern hätte.

Wer weiß, dass wir nur die Kulturen und Sorten langfristig erhalten werden, die wir auch nutzen, die es in die Küche auf den Esstisch schaffen, begreift die Wichtigkeit von einfachen, aber variablen Rezepten, die vegetarisch, bzw. vegan sind.
 
Ein Buch über Gemüseschätze braucht gute Fotos. Die Fotos von Ute Klapphake sind schön, zeigen die Besonderheit und machen aus den Gemüsen erst richtige Schätze, die man gern haben möchte. Es hat sich hier also eine gute Kombination aus Texterin und Fotografin ergeben, die den Erfolg des Buches vorantreiben wird.

Das Buch erfüllt folgende die Ziele:
Lust auf Gemüse machen, Vielfalt erhalten, Gemüse erfolgreich anbauen und mit leckeren Gerichten auf den Teller bringen – erfüllt das Buch. Es wird sicherlich Vielen einen Weg aufzeigen, wie sie beim Erhalt dieser und weiterer Gartenschätze helfen können.

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Kornelia Stock
Leiterin Vermehrungsgarten für Hannover
Patenschafts-AG beim VEN
März 2015