Johannislauch

Botanischer Name: 
Allium x cornutum

Der Johannislauch,  Allium x cornutum
(Von Allium lusitanicum – über syn. A. senescens subsp. montanum – und Allium species zum korrekten Namen Allium x cornutum)

Wir erhielten den Johannislauch unter dem botanischen Namen Allium lusitanicum. Er stammt aus langjährigem Gartenanbau (nachweislich  zurück bis 1900, eher früher) im Norden und Süden der Stadt Lemgo. Um 1900 war der Vilmorin-Katalog*1) sehr populär. Im Katalog-Nachdruck wird der Johannislauch auf S. 374 als  „perennial  welsh onion“ bzw. Allium lusitanicum beschrieben.
Bei der Recherche fand ich anfangs keine Beschreibung, die mit dem vorliegenden Johannislauch übereinstimmte.  Wer im Internet „Johannislauch“ eingibt, erhält in der Regel eine Beschreibung von Allium senescens, dem Berglauch. Diese Wildart zeigt im Spätsommer wunderschöne rosa, gelegentlich weiße Blütenköpfe. Die Zwiebeln sind klein, maximal 1cm Durchmesser. Zum Teil wurden sie in Kultur genommen. Ihre Vermehrung erfolgt durch Aussaat.

Index Kewensis und Mansfeld*2) nennen Allium lusitanicum, beschreiben ihn aber nicht. In der Allium - Collection der Genbank Gatersleben*3) werden 53 Akzessionen unter dem Namen Allium lusitanicum Lam. und 118  Akzessionen unter dem Namen Allium senescens aufgelistet. Auf Grund von Beschreibung und Fotos konnte ich keine Unterschiede zwischen den beiden Arten erkennen. Die Sammlungen resultieren überwiegend aus Osteuropa und Asien; unter den westeuropäischen Sammelgebieten wird einmal Spanien aufgeführt, niemals Portugal (=lusitanicum).

Erst ein Artikel von R. Fritsch*4) brachte Klarheit. Eine der beschriebenen Arten stimmt mit der vorliegenden überein und wird als Allium x cornutum bezeichnet. Unter diesem Namen hat die Genbank 9 Akzessionen aus verschiedenen Kontinenten. Interessant finde ich, dass die Art in Europa, beiden Amerikas und Asien sehr wohl bekannt, aber kaum verbreitet ist.

Eveline Renell, 35444 Biebertal und Peter Barthel 27624 Flögeln

 

*1) Album Vilmorin. The Vegetable Garden, von Werner Dressendörfer

*2) Mansfeld, Rudolf:  „Vorläufiges Verzeichnis landwirtschaftlich oder gärtnerisch kultivierter Pflanzenarten“, Berlin 1962

*3) Taxonomic Allium Reference Collection der Genbank Gatersleben

*4)R.Fritsch: Neue Ergebnisse zur Taxonomie und Evolution von Allium L.“
in: Schriftenreihe des Informationszentrums für Genetische Ressourcen(IGR)

Zentralstelle für Agrardokumentation und -information (ZADI)

Band 4, Gatersleben 1995

 

 

Anbau: 

Ab Ende August bis Oktober werden die für die Vermehrung vorgesehenen Zwiebeln im Abstand von 15 cm auf sandig-humosen Boden gesteckt.

Ernte: 

Der Lemgoer Johannislauch ist an Johanni bzw. ab Juni ausgereift.  

Vermehrung: 

Der Johannislauch wird nur vegetativ vermehrt. Ab Ende August bis Oktober werden die für die Vermehrung vorgesehenen Zwiebeln im Abstand von 15cm auf sandig-humosem Boden gesteckt, und zwar tiefer als bei üblichen Steckzwiebeln im Frühjahr. Durch die Wahl der Zwiebelgröße kann die spätere Nutzung beeinflusst werden. So ergeben kleine Steckzwiebeln wenige große; große Steckzwiebeln spalten dagegen bald in viele kleine auf.

Zu den vorliegenden Johannislauch - Exemplaren: 2013 erschienen nur bei 4 von 260 Johannislauch-Pflanzen die winzigen 2-3mm großen, grünweißen Blütenköpfchen, zudem gut versteckt zwischen einigen Bulbillen.  Die Blüten sind steril, so dass die Vermehrung nur vegetativ erfolgen kann. Die Zwiebeln sind 4-6x so lang wie breit und asymmetrisch gebogen. Sie sitzen in Horsten von 6-10 cm Durchmesser zusammen wie die Schalotten (Allium cepa var. aggregatum); die zusammenhaltende Tunika fehlt ihnen. Letzteres hat den Vorteil, dass es in nassen Jahren nicht zum Verfaulen der Jungzwiebeln kommt, was bei Schalotten immer mal wieder geschieht.

Nutzung: 

Man benutzt ihn wie normale Sommerzwiebeln, bis diese im Juli/August aus neuer Ernte zur Verfügung stehen.  Im späten Herbst und im zeitigen Frühjahr können einzelne Schlotten wie Schnittlauch verwendet werden, ab April kann  man die kleineren komplett wie  Frühlingszwiebeln nutzen.