Kartoffel des Jahres 2014: Granola

 

Sie ist weder eine klassische Liebhabersorte noch bemerkenswert alt könnte man meinen. Dafür hat die
Kartoffelsorte Granola einen guten Teil Züchtungsgeschichte mit weltweiter Verbreitung geschrieben und besondere Eigenschaften vorzuweisen. 
 
Granola hatte schon im Zulassungsjahr 1975 viele positive Aspekte, die Anbauer und Verbraucher auch heute noch schätzen: Gut an die Bedingungen unterschiedlicher Standorte angepasst, damit für viele Regionen und Klimazonen geeignet, beeindruckte sie lange durch sichere und hohe Erträge unabhängig von Standort und Klima.
Einmal geerntet liegt sie lange, ruhig und sicher im Lager. Mittelfrüh, vorwiegend festkochend und mit schöner gelber Fleischfarbe kam sie den damaligen Verbraucherwünschen voll entgegen.
Widerstandsfähig gegen Krautfäule und mit einer Resistenz gegen Nematoden – Fadenwürmer- die dem damals noch verbreiteteren Kartoffelanbau bei Landwirten erhebliche Probleme verschafften. Ein besonderer Vorteil war die Nematodenresistenz gekoppelt mit gutem Geschmack. Genau das zeichnete sie gegenüber anderen Zuchtsorten besonders aus. Von Landwirten und Hobbygärtnern ist sie wegen ihrer Unempfindlichkeit gleichermaßen geschätzt.
 
Als Sorte vermutlich ein wirtschaftliches Erfolgsmodell:
Schon kurz nach der Sortenzulassung im Anbau verbreitet, beanspruchte Granola um 1989 über 30% der deutschen Kartoffelanbaufläche. Bis etwa 1994 war sie noch die am meisten angebaute Sorte in Deutschland. Zu dem Zeitpunkt war sie schon 20 Jahre alt. Dieses Alter wird heute von modernen Kartoffelzüchtungen kaum mehr erreicht. Auch in ihrem Ertrag steht sie aktuellen Sorten kaum nach.
 
Verbreitung
Inzwischen ist der Inlandsvermehrungsanbau auf unter 100 Hektar zurückgegangen, aber auch nach fast 40 Jahren im Markt ist Granola noch immer eine beliebte Kartoffel – allerdings vor allem in Mittelamerika und in Südostasien, wie zum Beispiel Sri Lanka, Bangladesch oder auf den Philippinen. Besonders populär ist die Sorte in der Dominikanischen Republik: Fast die Hälfte der dort erzeugten Kartoffeln stammen daraus. Viele Touristen genießen sie während ihres Urlaubs dort als Pommes Frites oder Röstkartoffeln. Auch in Sri Lanka genießt Granola eine hohe Beliebtheit: etwa 90 Prozent der Importe von Kartoffelpflanzgut gingen auf sie zurück. Weiterhin spielt sie eine große Rolle in Panama, Nicaragua, Kuba. oder in den venezolanischen Anden.
 
Gute Resistenzen
Bis heute ist Granola wegen ihrer hohen Resistenz gegen Phytophtora und auch ihrer Virustoleranz gegen PVY sehr beliebt: Sie kann dadurch gut vermehrt werden. Sicherlich ist sie damit gerade für Privat- und Kleingärten, sprich für die Selbstversorgung. besonders geeignet. Vielleicht schließt sich auch so der Kreis zwischen ihrem züchterischen Ursprung und ihrer hohen Wertschätzung noch in bäuerlichen Subsistenzgesellschaften Südostasiens. Gerüchten und eigenen Veröffentlichungen zufolge wird sie sogar erfolgreich aus eigenen Samen generativ vermehrt.
 
Firmengeschichte:
Geleitet wurde Granola auch von einer besonderen Firmengeschichte:
Mit pommerschen Gründungswurzeln im 19. Jahrhundert, entstand 1968 die Pflanzenzucht Saka, unter der Granola erstmalig zugelassen wurde. Die weitere Entwicklung der Firma von Sakaragis zu heute Solana fügte im Gegensatz zu vielen anderen weniger glücklichen Zuchtprodukten anderer Firmen der Sorte keinen Schaden zu. Behütet bis heute, auch längst nach Auslaufen des Sortenschutzes, bleibt diese Kartoffelsorte dem Liebhaberkreis auch weiterhin erhalten.
 
Text: Rudolf Vögel, Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg e.V. (VERN e.V.)
Fotos: Solana Gmbh &Co Kg
 
Auszeichnung „Kartoffel des Jahres“
Die Idee zur jährlichen Auszeichnung einer Kartoffelsorte kam im Zuge der Diskussionen um die Sorte Linda auf, so dass 2006 die erste Kartoffel im Freilichtmuseum am Kiekeberg unter der Schirmherrschaft des damaligen niedersächsischen Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, Hans-Heinrich Ehlen, gekürt wurde.
Die Jury setzt sich zusammen aus Vertretern mehrerer Umwelt-, Verbraucher- und Bauernorganisationen. Neue Mitglieder sind jederzeit herzlich willkommen. Zur Zeit gehören folgende Experten der neunköpfigen Jury an: Georg Janßen, AbL e.V.; Jan Plagge, Bioland e.V.; Walter Kress, Slow Food Deutschland; Rudolf Vögel, VERN; Dr. Heidi Lorey, VEN; Peter Glandien, Tartufflis erlesene Kartoffeln; Carolin Grieshop, Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH; Prof. Dr. Rolf Wiese, Freilichtmuseum am Kiekeberg und Karsten Ellenberg, Ellenberg´s Kartoffelvielfalt GbR.
Die Jury und alle Beteiligten wollen durch die Auszeichnung für Sorten werben, die eine besondere Leistung oder eine interessante Geschichte auszeichnet. Weiterhin setzen sie mit der Wahl ein Zeichen gegen die Abhängigkeit von der Sortenindustrie und für die Wahrung der Kartoffelvielfalt. 
Es werden nur die Sorten ausgezeichnet, die für jeden Landwirt frei anbaubar sind, so dass umworbene Kartoffelsorten auch einsetzbar sind.
 
Aktuelle Siegerin 2014: GRANOLA
Die mittelfrühe, vorwiegend festkochende Speisekartoffel „GRANOLA“ zeichnet eine hervorragende Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standortbedingungen (Klima und Boden) aus. Aufgrund ihrer ausgeprägten Keimruhe ist sie zudem prädestiniert für die Langzeitlagerung. Rundovale, leicht genetzte
Knollen mit gelber Fleischfarbe sind weitere Merkmale. Sie ist resistent gegen Nematoden Ro1, 4 und zeigt ferner absolute Stärken in Rhizoctonia, Kraut- und Knollenfäule, Schorf und mechanische Beschädigungen. Inzwischen ist der Inlandsvermehrungsanbau auf unter 100 ha zurückgegangen, aber auch nach fast 40 Jahren im Markt ist Granola noch immer eine beliebte Kartoffel – allerdings vor allem in Mittelamerika und in Südostasien.
Quellen: Text Solana Gmbh &Co Kg; Rudolf Vögel, VERN
Fotos: Solana Gmbh &Co Kg
 
Bisherige Sieger:
Blauer Schwede (2006): auch Blue Congo genannt, Herkunft und Alter unbekannt,
vorwiegend festkochend, blaue Schale, blau-lila Fleisch, runde ovale Knolle, kräftiger
Geschmack, geeignet als Salat-, Back-, Pell- oder Salzkartoffel
Linda (2007): Königin der deutschen Kartoffeln, Deutschland 1974, festkochend, gelbe
glatte Schale, tiefgelbes Fleisch, lange ovale Knolle, sehr guter cremiger Geschmack, gut
lagerfähig, geeignet als Salat-, Salz-, Pell- oder Gratinkartoffel
Bamberger Hörnchen (2008: ): eine der ältesten Sorten von 1870, aus dem Raum
Bamberg, festkochend, gelb-rosa Schale, gelbes Fleisch, hörnchenförmige Knolle, sehr
guter würziger Geschmack, späte Reife, geeignet als Salat-, Brat- oder Pellkartoffel
Adretta (2009): Deutschland 1975, mehligkochend, gelbe Schale, gelbes Fleisch, runde
Knolle, würziger kräftiger Kartoffelgeschmack, geeignet als Püree- oder Backkartoffel
Sieglinde (2010): von 1935 und schon lange Zeit beliebt
Ora (2011): Deutschland 1952 (auch unter dem Namen Mira bekannt), mehligkochend,
gelbe Schale, gelbes Fleisch, runde Knolle, leicht kräftiges Aroma, geignet als Pürree-,
Back- oder Salzkartoffel
Bintje (2012): Niederlande 1905, mehlig- bis halb festkochend, gelbe Schale, relativ
große/lange und ovale Knolle, cremig milder Geschmack, als Sorte für Pommes frites und
Chips besonders gefragt
Rosa Tannenzapfen (2013): vor 1850 in England (dort „Pink fir apple“ genannt), das Fleisch
ist gelb und festkochend und besticht durch ein sehr fruchtiges und intensiv leckeres
Aroma. Wegen ihrer Form ist sie jedoch schwer zu schälen, weshalb sie vom Markt nahezu
verdrängt wurde
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