Cora Leroy's Vermehrungsgarten

Am 25.06.2017 öffneten sich in Bayern zum 18. mal zahllose Gartentüren den interessierten Besuchern. Auch der Garten von Cora Leroy und Ihrem Lebenspartner war mit dabei.

Als Mitglied des VEN (Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt) ging es den Gartenbesitzern darum, gartenbegeisterte Menschen für den Anbau von eigenem Saatgut zu gewinnen.

Cora Leroy während einer der GartenführungenDie Besucher wurden in den kleinen Gemüsegarten geführt, wo auf engstem Raum viele, vor allem unbekannte Gemüsegewächse ihrer Samenreife entgegenwachsen.

"Wenn wir uns nicht gemeinsam engagieren, dann verschwinden nicht nur Sorten sondern ganze Arten von unseren Tellern!", warnt die gelernte Gärtnerin  Cora Leroy:  "Wer nicht möchte, dass ihm das Essen von großen 'Saatgutmultis' vorgeschrieben wird, der muss jetzt aktiv werden!"

Manch Besucher wollte wissen, welche hübsche Pflanze da blühe und deutete zum Beispiel auf die Schwarzwurzel und den essbaren Wiesenbocksbart, die sich trotz ähnlichem Aussehen im übrigen nicht miteinander kreuzen können.

Schwarzwurzel und Wiesenbocksbart

Cora Leroy erklärte den erstaunten Besuchern, dass Schwarzwurzeln selbst im 3. Standjahr und nach zweimaliger Samenernte immer noch koch- und essbar sind.

Auf die Frage, warum sie sich die Mühe mit dem Nachbau macht, antwortet sie: "Das macht keine Mühe, denn ich brauche den Garten im Sommer nicht zweimal zu bestellen;  und ich muss aufgrund des guten Beetschlusses (Beschattung des Bodens durch die großen Pflanzen) wenig Unkraut zupfen. Ich ernte zwar nicht so viel für die Küche, aber dafür ernten Bienen, Hummeln und Schmetterlinge ab Mitte Juni mit. Unsere Bestäuber werden immer seltener, weil  in der modernen Landwirtschaft immer weniger blühendes, nektarreiches 'Unkraut' im Feld wachsen darf. Die vielfältigen Ursachen für das Bienensterben sind ja mittlerweile bekannt, u. a. auch, dass die Insekten mangels Futterangebot hungern. Und so können wir durch unsere Vielfalt an ungespritzten Blütenangeboten einen kleinen Beitrag zum Erhalt widerstandsfähiger Bienenvölker leisten."

Schon 82 mal hat Cora Leroy in ihrem neuen kleinen Hausgarten Erfahrungen mit Samen und Sorten gesammelt:  "Es geht nicht immer darum, eine Sorte zu erhalten, erst einmal empfehle ich jedem Gärtner eigene Erfahrung mit dem Samenanbau zu gewinnen", meint sie, "denn nicht alles lässt sich auf die gleiche Art und Weise abstreifen, auskernen oder auswaschen." Auch der richtige Reife- und damit Erntezeitpunkt muss mit etwas Gespür ermittelt werden, "Sowas lässt sich leider nirgends genau nachlesen!" Und erst dann sollte der Hobbyzüchter seine Lieblingssorte auserwählen um sie zu hegen und zu mehren.

Nicht alles, was Frau Leroy anbaut, wird auf Tauschbörsen getragen, denn sie ist sich bewusst, dass das Saatgut von z.B. nur zwei alleinstehenden Kohlpflanzen vielleicht nicht genügend innere Qualität aufweist.

Trotzdem ist die Gartenbesitzerin überzeugt davon, dass bei geschickter Artenwahl sich auch auf kleinstem Raum "saatguttechnisch" eine gewisse Unabhängigkeit Unabhängigkeit erlangen lässt, z.B. mit Arten, wo viele Pflanzen wenig Platz benötigen, wie etwa bei Algiersalat, Gemüsemalve, Hirschhornwegerich, Feldsalat, u.a. :

Algiersalat

Aber auch mit Selbstbestäubern wie Kopf- und Pflücksalat, Erbsen und Tomaten.

 "Doch sollte man auch bei den sich selbst bestäubenden Gemüsen darauf achten, nicht mehrere Jahre nur wenige Exemplare der Art anzubauen, denn in der Natur ist nichts 100 %ig, auch nicht die Selbstbestäubung. Die meisten Pflanzen setzen auf etwas 'Fremdgehen' um sich hin und wieder mit frischen Genen zu versorgen.

Und hier kommt es jetzt auf geschickten Tausch mit den Nachbarn bzw. Gleichgesinnten an, denn wenn in benachbarten Gärten jeweils wenige Pflanzen einer Art und Sorte stehen, das Saatgut pro Garten getrennt geerntet wird und dann untereinander getauscht wird, dann kann man einer Inzuchtdepression zumindest vorbeugen. Diese Vorgehensweise entspricht zwar nicht einer echten Auslese, kann aber dazu beitragen mehrere Jahre gemeinsam Freude an einer Sorte  'Lieblingsgemüse'zu haben.

VEN Stand zum Tag der offenen Gartentüre 2017Es herschte großer Andrang (6000 Besucher in allen drei geöffneten Gärten zusammen)

 

 

 

Kontakt: 
coras-garten@web.de
Regionalgruppen: 
Nürnberg-Franken