Bohnenerhalt von A – Z in 2013 - keine einfache Sache

Wer einen neuen, noch unbekannten Standort, zum Garten macht, muss sich auf viele neue Erfahrungen einlassen.

Für den Bohnenanbau haben wir ein Acker in Lüdersen bekommen, am Berg, nach Südosten ausgerichtet, inmitten eines großen Obstgartens. Der Boden ist sehr lehmig und fruchtbar. Vor der Bestellung ist der Boden zweimal mit Abstand gerodet worden, abgetragene Pflanzen wurden abgeharkt, Beete wurden markiert, für die Stangenbohnen haben wir drei Metallstangen zu Tippis gesteckt.
Bekannte späte Sorten bei den Stangenbohnen, wie das „Gelbe Posthörnchen“ und „Viobla“ wurden beim ersten Seminartag, am 28.April in Töpfen ausgesät und im Gewächshaus vorgezogen.

Bohnen wollen nicht nur die Glocken hören, also nicht so tief in den Boden gesät werden, sondern auch eine Bodentemperatur von mindestens 9 Grad, damit sie schnell keimen. In der Regel ist der Boden nach Mitte Mai soweit erwärmt und in der Regel ist dann auch nicht mehr mit Frost zu rechnen. Als Aussaattermin wurde deshalb der 21. Mai gewählt. Die vorgezogenen Pflanzen hatten sich zumeist gut entwickelt. Einige Kerne waren falsch herum gekeimt, d.h. die Wurzel war nach oben gerichtet, die Triebe steckten in der Erde. Ob dieses Phänomen, Kopfsteher genannt, dadurch zu vermeiden gewesen wäre, wenn darauf geachtet worden wäre, dass der Nabel nach unten in die Erde kommt, muss im nächsten Jahr überprüft werden. Damit die Pflanzen später noch angehäufelt werden konnten, wurden die Pflanzen in Kuhlen gepflanzt. Auch das Saatgut wurde in kleine Gruben gesät. Bei den Buschbohnen wurde beachtet, dass die Pflanzen einen ausreichenden Abstand bekommen, damit Schädlinge, wie Blattläuse nicht ein zu einfaches Spiel bekommen. Bei der Menge an Sorten und Kernen eine anstrengende und langwierige Arbeit, zumal an einem Dienstag nur wenige Seminarteilnehmerinnen Zeit hatten.

Nach der Aussaat gab es dann Ende Mai, Anfang Juni viel Regen und die Kälte. In Hannover - ca. 15 km entfernt - waren es bis zu 1,7 Grad kalt. Bei diesen Temperaturen keimen Bohnen äußers langsam und so gab es große Verluste. Eine Sorte, die Paas Lintorfer Frühe, keimte gar nicht, obwohl das Saatgut frisch war. Bei anderen betrug die Keimrate weniger als 50 %. In einigen Fällen konnte nachgesät werden, diese Saaten keimten schnell und fast vollständig.

Jeder Standort, Garten hat seine Schädlinge, die man erst einmal kennenlernt und gegen die Strategien entwickelt werden müssen..Unsere Schädlinge heißen Rehe. Sie kommen vom nahen Wald herüber, überwinden Bahnstrecke und Zäune und fanden die vorgezogenen Bohnen lecker. Uns hat es erst einmal geschockt und dann dazu gebracht uns mit der Rehabwehr zu beschäftigen. Wirklich hilft, laut Aussage des Försters, nur ein hoher, stabiler Wildschutzzaun. Für uns war dieses nicht umsetzbar und so mussten Maßnahmen versucht werden, denen der Förster nur bedingten Erfolg voraussagte: Flatterband, blinkernde, alte CDs und verstäubtes Chilipulver. Es gab zwar noch mal Schädigungen, aber sie sind geringer und die Bohnen erholen sich zu meist, auch wenn die Entwicklung dadurch verlangsamt wird.

Einen Acker zum Garten zu machen, ist eine aufwendige Arbeit. Es wachsen nicht nur die Kulturpflanzen, sondern auch die ortsüblichen Wildkräuter. Bei einem Seminartermin haben wir uns ausführlich mit diesen Pflanzen beschäftigt und sie bestimmt: Ackerhellerkraut, Franzosenkraut wachsen auf gut mit Stickstoff versorgten Böden. Quecke, Disteln und Ampfer sind Zeigerpflanzen für schweren, verdichteten Boden. Der Acker liegt am Berg, Regen fällt hier selten. Da wir nur einmal wöchentlich, das Seminar nur einmal monatlich vor Ort sind, haben wir diese Wildpflanzen nach dem hacken und Anhäufeln zum Mulchen genommen. So ist der Boden um die Bohnen bedeckt, Feuchtigkeit kann im Boden gehalten werden.

Trotz aller Widrigkeiten, Kälte, Nässe und Rehen, wachsen die Bohnen. Auch die angefressenen Pflanzen haben neu ausgetrieben und so haben wir dann im Juli festgestellt, wie viele Pflanzen wir von welcher Sorte haben, welche Sorte wie weit entwickelt ist. Hat sie als Stangenbohne schon begonnen Ranken zu bilden? Gibt es schon Knospen, Blüten oder erste Hülsen? Welche Farbe haben die Blüten? Gibt es Anzeichen von Krankheiten oder Missbildungen der Blätter. Sind Blattläuse, die häufigsten Bohnenschädlinge zu beobachten?
Alles wurde genau beobachtet, zum Teil besprochen und auf den Protokollblättern genau erfasst.

Bohnenerhalt von A bis Z, ist ein Seminar, was anders ist als die bisherigen Saatgutseminare. Es ist ein Arbeitsseminar, einen Teil der Zeit ist mit praktischer Gartenarbeit, wie hacken und  mulchen gefüllt. Fragen ergeben sich aus dem Tun, aus den Beobachtungen und werden vor Ort besprochen. So findet lernen beim praktischen Tun statt und orientiert sich immer auch wieder an dem, was den Teilnehmern aktuelle Fragen sind. Daneben sind Themen, wie Sortenvielfalt, Anbaufragen, Beobachtungsregeln und Krankheiten Gegenstand des Seminars. Den TeilnehmerInnen - erfahrene GemüseanbauerInnen und Neulingen - gefällt das. Der Austausch in der Gruppe findet bei der Arbeit und in den Pausen statt.

Und es gibt immer wieder überraschende Erkenntnisse, z.B. Rehe fressen zwar an Bohnen, aber Inkagurken lassen sie in Ruhe, obwohl die eigentlich viel leckerer und gesünder sind. Wie der kombinierte Anbau geschütz ist, muss weiter beobachtet werden.

Zu den weiteren Terminen können auch „Neulinge“ noch dazu kommen. Zu Anfang steht immer ein Rückblick, „was bisher war“ und für Fragen ist immer Zeit, so das ein Einfinden möglich wird.

Weitere Termine Dienstag, der 27. August, Sonntag, der 15.September und Sonntag, der 13. Oktober 2013, genaue Informationen im Kalender

Kornelia Stock