Begeisterte Besucher beim ersten Bonner Saatgutfestival

Unbeeindruckt von Eis und Schnee strömten circa 600 Gartenfreunde am 9. März zum ersten Bonner Saatgutfestival. Hier konnten sie Samen von seltenen Gemüsesorten, die sonst fast nur über das Internet zu haben sind, direkt erwerben und sich von den Anbietern gleich über deren Eigenschaften beraten lassen.  Genau darum ging es auch in den Gesprächen bei der Saatguttauschbörse, und jede Menge Samen wechselten dabei die Besitzer.

Der Bedarf an Wissen ist groß, denn in den letzten Jahrzehnten haben die Menschen häufiger Rasenmähen als Bohnen anbauen gelernt. Dass Vielfaltssorten für den Garten gut geeignet sind, weil sie von unseren Vorfahren dafür gezüchtet worden sind, hat sich herumgesprochen. Sie können sich ohne Chemie an unterschiedliche Bedingungen anpassen, brauchen nicht einheitlich aussehen und dürfen uns mit zarten Blättern oder Häuten erfreuen. Bei der Sortenentwicklung für den Erwerbsanbau stehen dagegen schnelle Ernte, gleichförmiges Aussehen und Lagerfähigkeit  im Vordergrund – auf Kosten von Geschmack und Anpassungsfähigkeit. Zudem führt das im Erwerbsanbau genutzte Hybridsaatgut bei der Vermehrung nicht zu sortenreinen Ergebnissen – wer einen Teil seiner Ernte im nächsten Jahr als Saatgut nutzen will, braucht die traditionellen samenfesten Sorten.

Gärten und sogar Balkone werden immer öfter das Mittel zum frischen, gesunden und abwechslungsreichen Genuss. Für städtische Grünflächen sind Gemüse ökonomischer als die mehrfach wechselnden Zierpflanzen, wie die „Essbare Stadt“ Andernach beweist. Weltweit sorgt die Transition-Bewegung für urbanes Gärtnern, das zudem den sozialen Zusammenhalt zwischen Menschen aller Altersstufen und unterschiedlicher Herkunft stärkt. Filme und Vorträge zu solchen aktuellen Themen ergänzten den Saatgutmarkt. Ausstellungen von seltenen Mais-, Kartoffel- und Getreidesorten und alte Geflügelrassen gab es ebenfalls zu sehen.

Das 100 Jahre alte Gebäude des Clara-Schumann-Gymnasiums bildete den richtigen Rahmen für „Saatgut ist Kulturgut“, so das Motto der Veranstaltung, die vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt und der Bürgerintiative Nutzpflanzengarten Poppelsdorf durchgeführt und von zahlreichen Bürgern ehrenamtlich sowie von der NRW-Stiftung Umwelt und Entwicklung finanziell unterstützt wurde.

27.3.2013 WDR Bericht aus Brüssel, Tomate, Bohne & Co: EU gegen Saatgutvielfalt http://www.wdr.de/tv/bab/sendungsbeitraege/2013/0327/saatgut.jsp (Text)  http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2013/03/27/bericht-aus-bruessel.xml (Film)